Kunst und Kultur im
Berchtesgadener Land

Schloß Staufeneck

Schloß Staufeneck in Piding

Das Berchtesgadener Land ist reich an Kunst und Kultur. Burgen und Schlösser, Kirchen und Kulturdenkmäler sowie das Brauchtum wollen wir Ihnen hier vorstellen.

Burgen und Schlösser

Die Burgen und Schlösser im Reichenhaller Tal fielen größtenteils in den Machtbereich der Grafen von Plain. Die Plainer kamen von Frankreich ins Noricum und teilten sich hier in vier Stämme. Einer davon blieb im Reichenhaller Gebiet und hatte Besitzungen bis Oberteisendorf. Ein Walther von Plain war der Erbauer einer Wasserburg am Höglwörther See (1170 führte man sie klösterlichen Zwecken zu). Dem Geschlecht der Plainer gehörte auch die Benediktinerin Elanburg an: Sie stiftete für die von den Hunnen niedergebrannte Kirche in Anger eine neue (später gotisch umgebaut). Die Plainer waren ebenfalls Schirmherren des Augustinerchorherrenstiftes St. Zeno. In Salzburg erinnern an sie die Kirche Maria Plain und das Plainfeld. Die Plainer gingen auch in die Salzburger Geschichte ein. 1167 vollzogen sie von der Plainburg aus im Auftrag Barbarossas die Reichsacht im Erzstift Salzburg, fielen mit gewaltigen Kriegshaufen ein und verwüsteten Stadt und Festung. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts starb das Grafengeschlecht der Plainer aus.

Der Hallthurm: Eine der ältesten Paßbefestigungen und trutzige Grenze der Fürstprobstei Berchtesgaden gegen Bayern und Salzburg; am benachbarten Dreisesselberg trafen die Grenzen der drei Staaten aufeinander. Anlaß für die Errichtung der Grenzbefestigung am Hallthurm war der Einfall der Reichenhaller in die Fürstprobstei Berchtesgaden 1193, wobei aus Konkurrenzneid die Sudpfannen zerstört wurden. Der Hallthurm war aber auch friedliche Handelsstraße: Über den Engpaß rollten die Salzwagen nach Bayern und kehrten, mit anderen Gütern beladen, wieder heim. Etwas aus der kriegerischen Geschichte: Im Napoleonischen Krieg 1805 verteidigten die Berchtesgadener mit den gegen die Franzosen rebellierenden Tirolern den Hallthurm gegen die mit Napoleon verbündeten Bayern.

Auf der Burg Gruttenstein (heute Ruine) saßen bis 1218 die Grafen von Plain, die wohl auch (um 800) die Erbauer waren. Später gehörte die Burg den bayerischen Herzögen. Überreste eines Wohnhauses, einer dem hl. Andreas geweihten Burgkapelle und der runde Burgfried aus rohen Quader- und Bruchsteinen vermitteln einen Eindruck von der einstigen Größe. Die Burgreste stammen teils aus dem 12. Jahrhundert, teils aus dem späten Mittelalter.

Schloß Marzoll war zweifellos einmal Römer-Kastell, das so lag, daß es mit den anderen befestigten Plätzen - dem späteren Staufeneck, Karlstein und der Plainburg - Sichtverbindung hatte. Auf einer Anhöhe gegenüber dem Schloß fand man einen römischen Marstempel. Im späten Mittelalter war die Hofmark Marzoll im Besitz des Reichenhaller Siedeherrengeschlechts der Fröschl von Marzoll und Thauerstein, die auch Karlstein bewohnten. Das heutige Schloß wurde 1630 errichtet, dürfte aber mindestens 500 Jahre älter sein. Urkunden berichten von einem Brand im 11. Jahrhundert.

Staufeneck hat zweifellos die interessanteste Geschichte unter den Burgen im Reichenhaller Talkessel. Um 930 saß ein Graf Engilbert aus dem Hause der Aribonen als Burgherr auf Staufeneck. Ihm folgten die Grafen von Plain. Erster beurkundeter Burgherr: Wilhelmus Capitaneus de Pleyen de Staufenecken. Mit dem Besitz der Burg waren Polizeigewalt, Gerichtsbarkeit und Vogteirechte über weitverzweigte Güter verbunden. Zwischenzeitlich ging die Burg an das Erzbistum Salzburg und wurde Sitz des Pflegegerichts. Hauptsehenswürdigkeit ist die ehemalige Folterkammer. Unmittelbar unter dem Dach führt rings um die ganze Burg ein Wehrgang, der in seinem spätgotischen Zustand erhalten ist, mit Schießscharten und Ausgucklöchern zur Salzburger Festung.

Höglwörth. Ursprünglich stand hier eine von Graf Walther von Plain erbaute Wasserburg. Später entstand ein Schwesternkloster des Augustinerchorherrenstiftes Berchtesgaden, das zwar große Ländereien besaß, aber nach außen so uninteressant war, daß man es bei der Säklarisation einfach übersah. Während der Berchtesgadener Fürstprobst schon 1803 abgedankt hatte, führte der Höglwörther Probst Gilbert Grab unangefochten bis 1817 das Kloster. Heute ist es - mit Ausnahme der Kirche - Privatbesitz.

Vachenlueg wurde 1414 von Hans und Martin von Haunsberg, die ihre Stammburg auf dem Haunsberg gegenüber Laufen hatten, am Nordabhang Högls erbaut. Die Haunsberger saßen bis 1688 auf Vachenlueg. 1722 wurde die Burg an Höglwörth verkauft. Spätere Privatbesitzer ließen sie verfallen. Heute ist sie Ruine. Die Besiedlung des Högl reicht bis in die Steinzeit zurück. Zwischen Saalach und Hammerauer Bundesstraße wurden frühsteinzeitliche Siedlungen entdeckt. Auch menschliche Spuren aus der Bronzezeit hat man gefunden. Für die Römerzeit legen Ziegel einer römischen Fußbodenheizung und Brandgräber Zeugnis ab. Nach Ansicht von Fachleuten dürfte es sich um ein römisches Bad, einen römischen Tempel (in Aufham) und einen römische Gutshof (bei Stockham) gehandelt haben. In Höglwörth wiederum stand ein Mithrasstein, auf den römische Offiziere ihre Opfergaben legten.

Burg Gruttenstein, über den Häusern von Bad Reichenhall thronend, wurde 1219 zum Schutze der Stadt und der Salzquellen von Herzog Ludwig dem Kehlheimer erbaut. 1266 wurde sie im Krieg zwischen Herzog Heinrich von Niederbayern und König Ottokar von Böhmen belagert und zum Teil verbrannt. Auch in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zogen Fehden Gruttenstein in Mitleidenschaft, und 1585 schließlich vernichtete ein Brand die Veste. Herzog Wilhelm V. baute die Burg wieder auf. Bis 1763 war sie Sitz eines kurfürstlichen Pflegers, rund 100 Jahre später Armenhaus der Saline und schließlich Wohnstätte für Salinenarbeiter.

Schloß Triebenbach ist der Rest einer mächtigen Burganlage aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Anfang des 16. Jahrhunderts erhielt es seine heutige Form, wurde aber wegen der hohen Unterhaltskosten in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts vom damaligen Besitzer stark verkleinert. Erhalten ist noch der hölzerne Wehrgang, der vom Palas zum mächtigen Burgfried führt. Als Wasserburg ist Triebenbach bereits 980 erwähnt. Ein Edler Waltere de Trubinbach soll hier schon 780 gesessen haben.

Schloß Laufen, ein mächtiger Bau, der nach außen hin wenig schloßhaftes mehr an sich hat, war Residenz der Salzburger Erzbischöfe. Sehenswert ist ein 1807 entdeckter Römerstein. Urkundlich wurde das Schloß bereits im 8. Jahrhundert erwähnt. Während des Hoftages in Laufen 1166 soll Kaiser Barbarossa im Schloß übernachtet haben.

Das königliche Schloß in Berchtesgaden hat sich - wie schon aus dem Zusammenbau der Stiftskirche ersichtlich ist - aus einem mittelalterlichen Kloster entwickelt. Durch die Säkularisation gelangte es an die bayerische Krone. Kronprinz Rupprecht von Bayern wohnte hier bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts. Das Schloß, das immer noch der geschichtliche und städtebauliche Mittelpunkt Berchtesgadens ist, dient heute als Museum, das die privaten Sammlungen der Wittelsbacher zeigt.
Innenarchtitektur, Gemälde, Plastiken und Kunsthandwerk sind ebenso sehenswert wie ostasiatische Arbeiten.

Kirchen und sonstige Kulturdenkmäler

Wallfahrtskirche Maria Gern

Wallfahrskirche Maria Gern

Nicht nur die Naturschönheiten prägen die Landschaft im Landkreis Berchtesgadener Land, sondern auch eine Fülle von hervorragenden Kulturdenkmälern aus den verschiedenen Jahrhunderten. Neben den Burgen und Schlössern sind es besonders Kirchen, Kapellen, Bauernhäuser, Altstadt-Ensembles. Von ganz besonderer Bedeutung sind - ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben - folgende Baudenkmäler:

Brauchtum

Pfingstritt in Holzhausen

Pfingstritt in Holzhausen

Gewachsener und damit selbstverständlicher Bestandteil des kulturellen Lebens wie des Jahresablaufs ist das Brauchtum. Palmsonntags- und Osterbräuche markieren den Frühjahrsbeginn. Am 1. Mai werden überall die Maibäume aufgestellt. Einer der einst in mehreren Orten üblichen Pferdeumritte hat sich noch erhalten: der Pfingstritt zur St.-Leonhards-Kirche in Holzhausen bei Teisendorf, der alljährlich Tausende von Zuschauern anlockt. Pfingsten im Markt Berchtesgaden wäre ohne das Bergfest der Bergknappen des Salzbergwerkes undenkbar. Der ganze Ort feiert mit. Die Reichenhaller Salinenangehörigen haben ihren Jahrtag am 24. September, dem Tag des Schutzheiligen Rupertus. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung werden die Fronleichnamsprozessionen begangen.
Auftakt des Herbstes ist der Almabtrieb. Schon Wochen vorher wird das Vieh "aufgekranzt". Die "Fuikln", manchmal reine Kunstwerke, schmücken später die Bauernstuben. Der Herbst ist auch die Zeit der Bauernhochzeiten und Wallfahrten.
Es folgt die Zeit des Advents- und Weihnachtsbrauchtums. Weit über die Grenzen hinaus bekannt sind das Berchtesgadener Weihnachtsschießen und das "Buttnmandl-Laufen".
Mit eine der originellsten, eng mit der Geschichte des Salzes und der Salzstädte verknüpfte Veranstaltung ist die Piratenschlacht in Laufen. In einem manöverartigen Seegefecht in Erinnerung an die Vergangenheit Laufens als Schifferstadt wird "echt" gekämpft, wobei natürlich die Schiffergarde Sieger über die Piraten bleibt. Der Flußpiratenhauptmann und seine Gesellen müssen sich gefangen geben.
Eine echte Rupertiwinkler Spezialität ist das Aperschnalzen, bei dem mit meterlangen Peitschen in kunstvollem Takt der Winter vertrieben wird. Zahlreiche Schnalzervereine, erprobt in harten Wettbewerben, halten diese Erinnerung an alten heidnisch-germanischen Dämonenglauben bis in unsere Zeit aufrecht.
Das kulturelle Leben bestimmen nicht zuletzt die zahlreichen Volkstanz- und Volksmusikgruppen, die nicht nur örtlich einen guten Ruf genießen. Viele Veranstaltungen, auch außerhalb des Landkreises, oder die Volksmusiksendungen des Bayerischen Rundfunks sind ohne sie kaum vorstellbar.
Das Brauchtum unverfälscht zu erhalten, haben sich Trachten-, Weihnachtsschützen- und andere brauchtumspflegende Vereine, z.B. die Schiffergilde in Laufen, zur besonderen Aufgabe gemacht.


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